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IchZeit Rheinland Pfalz
9.01.2014 von:
9
Jan
Aniko
von
Kategorie:

Eine Hommage an das Besetztzeichen

Es gab mal eine ganz tolle Funktion. Die hat angezeigt, dass jemand „spricht“. Und zwar am Telefon. Da man bekanntlich nicht unterbrochen werden darf und keine zwei Gespräche gleichzeitig führen kann, wurde dem zweiten Anrufer durch ein „ständig sich wiederholendes Lautsignal im Telefon“ angezeigt, dass beim Angerufenen gerade „besetzt“ ist.

Doch wo ist das Besetztzeichen geblieben? Wenn man heutzutage telefoniert, wird das Gespräch durch das „Anklopfsignal“ gestört und löst gerne mal panische Reaktionen aus, zumindest aber eine Unterbrechung und somit Unkonzentration. „Äh Moment, da kommt ein Anruf rein, warte mal“, „Ich ruf Dich zurück“. Noch unsinniger: Man nimmt den anderen Anruf an, nur um zu sagen, dass man gerade eigentlich garnicht telefonieren kann, weil man ja schon telefoniert. Der Zweitanrufer bekommt das Gefühl, er stört, mit seinem Anliegen kam er auch nicht weiter, und im ersten Telefonat muss erst mal wieder der Faden aufgenommen werden.

Noch schlimmer ist es im Geschäftsbereich. Da wähle ich die Durchwahl eines Ansprechpartners, weil ich ja nur ihn persönlich sprechen möchte. Leider zeigt mir aber kein Besetztzeichen an, dass der Angewählte bereits spricht. Stattdessen werde ich an die Zenrale oder die Kollegen weiter geleitet, die mir dann sagen, dass der Kollege spricht, sie mir leider nicht weiterhelfen können und ich es bitte in 5 Minuten nochmal versuchen soll. Was ich auch brav tue, um dann wieder an irgendjemand anderes umgeleitet zu werden und mir das gleiche anzuhören. Und das manchmal zigmal an einem Tag und man hat keine Chance, dem zu entgehen. Wobei: man könnte es noch auf dem Handy versuchen. Damit der Angerufene dann links das Handy und rechts die Landleitung am Ohr hat. Auch ganz toll.

Die Idee solcher Weiterleitungen ist nett. Der Kunde soll das Gefühl bekommen, immer einen Asprechpartner zu haben. Er will aber doch nur den einen Ansprechpartner, sonst hätte er nicht die Durchwahl, sondern die Zentrale gewählt. Warum eigentlich soll ein teuer bezahlter Mitarbeiter mir mit mindestens  zweiminütiger Höflichkeitsflosekelei sagen, dass der eigentlich Angewählte besetzt ist?  Das kann doch auch das Beseztzeichen?! So schön zwischenmenschliche Kommunikation auch ist: wenn ich fünf Mal in einer Fimra anrufe ohne mein Anliegen loszuwerden, ist der Kunde genervt, die Kollegen auch, beide verlieren unnötig Zeit und werden aus ihrer Konzentration gerissen. Aber nichts wurde erreicht.

Auch im Privaten würde ein Besetztzeichen viele unnötige Gedanken vermeiden: Wenn man seinen Partner anruft. Einmal, zweimal dreimal, viermal. Ewiges Freizeichen, aber nichts passiert. Ist was passiert? Hat er das Handy irgendwo verloren? Es ist doch wohl alles in Ordnung? Dabei führt er eine Telefonkonferenz mit einem Kunden und kann einfach nicht rangehen. Das ständige Anklopfen unterbricht seinen Gedankenfluss , während der andere sich Sorgen macht. Dabei wäre es doch so einfach: Mensch, gib doch einfach ein Zeichen, dass Du gerade nicht kannst. Mit einem Besetztton!

Anklopfen ist ungefähr gleichzusetzen mit dem dauernden am Pulli ziehen eines Kindes, während sich die Erwachsenen unterhalten. „Unterbrich bitte nicht, wenn ich mich unterhalte“, sagt man zu seinen Kindern.  Aber ohne Besetztzeichen kann der Anrufer es eben einfach nicht besser wissen. Dabei soll es einfach nur ganz höflich darauf hinweisen:  „Sorry, geht gerade nicht. Bitte sprich mich nochmal an, wenn ich wieder frei bin.“

Leider wurde das Besetztzeichen abgeschafft. Beim Telefon, aber auch bei uns selbst. Man könnte sagen, das abgeschaffte Besetztzeichen ist symbolisch dafür geworden, dass wir alle immer und ständig verfügbar sein müssen oder es zumindest nach aussen suggerieren wollen.

Ich selbst habe bei meinem Telefon sowohl das Anklopfen als auch die Mailbox deaktiviert. Und ich empfehle allen – privat wie geschäftlich- schaltet einfach wieder das Besetztzeichen ein! Multitasking und Dauerreichbarkeit stressen, machen auf Dauer krank und vermindern die Konzentrationsfähigkeit, was zu Fehlern führt. „Anklopfen“ hilft weder dem Anrufer noch dem Angerufenen, sondern nervt nur. Und auch eine Rufumleitung wälzt das Problem nur auf die armen Kollegen ab, befriedigt aber den Kunden nicht.

Besetzt heißt ganz einfach und ist nicht böse gemeint: Ich telefoniere. Bitte sei so lieb und melde Dich später nochmal. Dann gehört Dir auch meine ganze Aufmerksamkeit.

Das Besetztzeichen – eigentlich eine ganz wunderbare Erfindung um höflich deutlich zu machen, ich kann jetzt nicht.  Das sollte es nicht nur am Telefon geben.

 



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4 Kommentare »

  1. Ralph
    Ralph — 11. Januar 2014 @ 16:35

    Sehr treffend beschrieben, das Problem und der damit verbundene Stress.
    Doch:
    Für mein Büro habe ich noch eine andere Lösung gefunden. Wenn ich telefoniere oder keine Zeit zum telefonieren habe, geht meine Sprachbox dran. Dann lenkt mich der neue Anruf nicht ab und der Anrufer kann mir seine Nachricht hinterlassen. Manche Telefonate sind damit schon erledigt, weil ich nur eine Info bekommen sollte. Oder ich kann mich vorbereiten und mich dann mit den nötigen Infos zurück melden. Wer sich nicht traut, auf die Sprachbox zu sprechen, hinterlässt in der Regel automatisch seine Nummer und denjenigen rufe ich dann auch zurück, wenn ich Zeit habe. Somit kann die neue Technik doch hilfreich sein. Denn ein ständiges Besetztzeichen ist auch sehr nervig.

  2. Ralph
    Ralph — 14. Januar 2014 @ 15:44

    Kleiner Nachtrag: Das Besetztzeichen kann man am Router einstellen: Anleitung im Router lautet

    “Abweisen bei besetzt”
    Legen Sie hier fest, ob ein Anrufer das Besetzt-Zeichen erhalten soll wenn auf dieser Rufnummer bereits gesprochen wird. Aktivieren Sie die Option „Abweisen bei besetzt“, wird automatisch die Einfachnutzung aktiv.

  3. Joachim Ollig — 14. Januar 2014 @ 16:52

    Eine nette Hommage an die alte Zeit. Treffend und passend die Anmerkung im weiteren Kommentar!
    Ja – wir befinden uns im digitalen Zeitalter. Vieles aber auch sehr vieles wird zukünftig möglich werden. Und dazu stehen dem Menschen diese zum Teil ‘intelligenten Systeme’ zur Verfügung. Jetzt zumindest an dieser Stelle müsste die Einschränkung kommen – nein – wir müssen/sollten uns der Bedienung dieser Systeme annehmen. Es kostet uns viel Zeit, denn nicht jedes System bietet nur gute bzw. intelligente Leistung/Lösungen die uns auch tatsächlich helfen. Es bleibt also schön und entspannt …

  4. Jeanette
    Jeanette — 20. Januar 2014 @ 08:30

    Lieben Dank für eure Tipps und Anregungen.
    Ich teile die Meinung, künftig wird es noch mehr technische Möglichkeiten geben, mit dem Versuch uns in unserem täglichen Wahnsinn zu helfen, Abläufe zu optimieren und uns eigentlich mehr Zeit zu schenken.
    Aber wie sagt man so schön – das Gleichgewicht zu finden zwischen all den vielen Möglichkeiten und Optionen, wird wohl die größte Herausforderung bleiben 🙂

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