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IchZeit Rheinland Pfalz
13.03.2014 von:
13
Mrz
Ralph
von

Der Friede wohnt in diesen Mauern

Wellness im Kloster? Das klingt für mich so wie Disco in der Kirche. Ein Kloster ist für mich ein Ort der Ruhe und Einfachheit. Hier lässt man es sich nicht im Wellness-Sinne gut gehen, wohl möglich mit Gourmet-Menue im feinen Restaurant und Whirlpools in luxuriösen Spa-Bereichen und großzügigen Zimmern mit Sekt auf dem Tisch und weichen Betten.

Nein – ein Kloster ist für mich ein Ort des einfachen Lebens. Ein Ort der Besinnung, ja der Kontemplation. Bestenfalls also ein Ort, der Wellness für die Seele bietet.

Und was entdecke ich da? Es gibt ein Kloster im Angebot der IchZeit-Hotels. Mein erster Gedanke ist, dass es wohl ein ehemaliges und nun umgebautes Kloster sein müsse. Doch mit diesem Gedanken liege ich bei näherer Betrachtung falsch. Dort leben und arbeiten auch heute noch Dominikanerinnen. Mein Interesse an einem Besuch ist geweckt! Diese ungewöhnliche Verbindung will ich selbst erleben!

Ich breche also auf nach Arenberg. Das Kloster liegt dort auf einer Anhöhe ganz in der Nähe von Koblenz. Da ich mit meiner Frau Helene drei Tage dort verbringen möchte, haben wir uns ein schönes touristisches Programm zusammen gestellt. Bietet sich ja an, wenn man schon mal nahe beim Deutschen Eck ist.

Doch als wir das Gästehaus betreten und freundlich empfangen werden, nimmt uns eine besondere Atmosphäre gefangen. Es ist hell, mit hohen riesigen Fensterflächen zu einem Innenhof hin, ein Foyer bietet mit einer sehr hohen Decke das Gefühl der Weite und doch der Geborgenheit. Es ist ruhig. Keine unangenehme pssst!-Stimmung, sondern wohltuende Stille, obwohl hier und da Menschen in den Sitzgruppen sich unterhalten. Eine Dame bringt uns zu unserem Zimmer. Es ist in der Tat einfach. Ein Doppelbett, ein Schrank, ein Schreibtisch mit Stuhl und das Bad bietet ein WC, ein Waschbecken und eine Dusche. Ein TV Gerät gibt es nicht. Neben dem Bett liegt eine Bibel.

Am Nachmittag lauschen wir einem Konzert in der Kirche des Mutterhauses, dann geht es zum Abendessen. Wir dürfen uns entscheiden: In den Speiseraum der Stille? Hier ist Sprechverbot! Wir gehen lieber in den zweiten Speiseraum. Am Buffet gibt es Suppe, Salate, Brot, Käse und Aufschnitt. Am Tisch serviert uns eine Schwester Tee.

Mehrgang-Menue? Weinempfehlung? Ein frisches Bier? Nichts von alledem. Wir beobachten, wie die Gäste, die bereits fertig sind, ihr Geschirr nehmen und zu einem Küchenwagen bringen. Hier räumt man also seine Sachen selbst weg. Und dennoch: Meine Frau und ich fühlen uns rundum wohl in diesem Speiseraum bei diesem Abendessen. Wieso eigentlich dennoch?

Auf unserem geplanten Programm steht heute Abend noch ein Besuch der Koblenzer Altstadt. Was soll man abends schon in einem Kloster machen, so ohne Pianobar und ohne TV auf dem Zimmer?  Helene und ich schauen uns an: “Wollen wir dann jetzt los?” Ich weiß gar nicht mehr, wer diese Frage zaghaft gestellt hat und wer mit fester Stimme “Nein” geantwortet hat. Wir wollen diese Mauern heute nicht mehr verlassen. Zu sehr umschließen sie uns mit ihrer Behaglichkeit. Wir entscheiden uns, die Badesachen zu nehmen und ein paar Bahnen im Kloster-Schwimmbad zu ziehen. Dann lockt uns unsere Neugier in den Klosterkeller, in den man mit seinem Zimmerschlüssel Zugang bekommt.

Der Klosterkeller ist fast wie ein Lokal eingerichtet. Aber es gibt keine Bedienung. Die Schränke sind gut gefüllt mit diversen Getränken. Hier gibt es auch Bier und Wein, sowie verschiedene Snacks. Auf einer Theke steht eine Geldkassette. Auf ihr steht “Vertrauenskasse”. Wir nehmen uns Wasser und Rotwein, eine Tüte Chips und finden im Schrank verschiedene Spiele. Mit einem Kniffelbecher setzen wir uns an einen der Tische und sind uns einig, dass es in keiner Altstadtkneipe in Koblenz für uns jetzt schöner sein könnte.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück, kurz bevor wir unser Geschirr abräumen, überlegen wir, was wir an dem Tag, der nun vor uns liegt, unternehmen wollen. Es gibt so viel Schönes in der Gegend zu entdecken. Die Entscheidung ist schnell und einstimmig gefällt: Wir bleiben einfach hier. Schon jetzt spüren wir, welch ein erholsamer Genuss es werden wird, den ganzen Tag im Kloster sein zu dürfen.

Schließlich gibt es auch hier einiges zu entdecken. Ein Kneipp-Sanatorium mit Schwimmbad und Bäderabteilung wurde schon seit 1954 vom Kloster betrieben. Heute wird es “Vitalzentrum” genannt. Helene bucht eine Kräuterstempelmassage und mir empfiehlt die Physiotherapeutin eine klassische Massage, weil es hier etwas kräftiger zur Sache ginge und das für mich als Mann sicher die richtige Behandlung sei.

Sie behält Recht. Bei allen Hot-Stone, Honig oder sonstwie Massageangeboten ist das Original nicht zu verachten. Einige Stunden verbringen wir im Vitalzentrum, denn die finnische Sauna und der Ruheraum laden uns noch ein, den Kopf immer freier zu bekommen und immer mehr das Gefühl zu bekommen, einfach “Hier” zu sein. Mitten in der “Wellnessabteilung” stellt sich angenehme Leere ein. Aber auch das Gefühl, gefüllt zu werden. Mit dem Geist, der hier durch alle Räume weht. Kontemplation im Bademantel? Ich hätte es vorher nicht für möglich gehalten.

Wer zulässt, diesen Zustand zu vertiefen, dem stehen “der Raum der Stille”, der “Meditationsraum” und natürlich die Kapelle im obersten Stockwerk offen. Die Bibliothek bietet jede Menge Bücher, wenn einem zum Lesen zumute ist. Wer dann in der Stille nicht mehr unterbrochen werden will, kann sich sogar einen Button anheften, der bedeutet: “Bitte nicht ansprechen”. Wer aber ins Gespräch kommen möchte, kann dieses mit den Schwestern, einem Seelsorger und natürlich mit den anderen Gästen tun. Auch wir führen manche sehr angenehme Gespräche. Am dritten Tag, dem Tag unserer Abreise, unterhalte ich mich mit einem Gast, der ebenfalls gerade abreist. Ich erzähle ihm, das wir soviel vor hatten und nichts von dem gemacht haben. Jede Minute wollten wir hier auskosten . Und dass ich mir bei der Anreise noch schwer vorstellen konnte, dass das Konzept “Wellness im Kloster” gut aufgehen könnte. Dass ich aber Wellness mit einer solchen Tiefenwirkung noch nie vorher erlebt habe. Er pflichtet mir in allen Punkten bei und wir beide können uns nicht erklären, warum so wenig Männer hier Station machen. Über 80% der Gäste sind Frauen, heißt es. Doch dann blickt er etwas erschrocken, als ich sage, dass ich einen Blogartikel schreiben werde und er bittet mich, nicht zu schreiben, was ich hier erlebt hätte. Das Kloster solle doch ein Wellness-Geheimtipp bleiben.

Ist es das denn? Aber mein Problem ist vielmehr, dass ich gar nicht so recht weiß, wie ich im Blog ausdrücken soll, wie ich diese IchZeit empfunden habe. Zum Glück hatte ich meine Filmkamera dabei, mit der ich ein wenig davon einfangen konnte. Als ich wieder zu Hause bin, höre ich plötzlich dieses Lied von Christoph Zehendner. Zufall? Jedenfalls muss es zu den Videoaufnahmen. Dieses Lied sagt alles aus. Und alles, was ich bisher geschrieben habe, wäre eigentlich nicht nötig gewesen, denn der Liedtext drückt es viel besser aus:

 

 



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2 Kommentare »

  1. Michaela — 15. Mai 2014 @ 19:26

    Die meisten, die einmal dort waren und vom Geist dieses Ortes berühren wurden, kehren wohl immer wieder dorthin zurück. Kloster Arenberg ist ein Geschenk, eine Oase. Sich ein paar Tage auf die Stille und sich selbst einzulassen, kann so heilsam sein.

    Film und Musik ergänzen sich auf wundervolle Weise – vielen Dank!!!

  2. Michaela — 30. September 2014 @ 01:25

    Ohja ich kenn das wohl zu gut, wenn man ein paar stressige Wochen hinter sich hat möchte man sich einfach nur erholen und das geht wirklich am besten nur an einem Ort wo Frieden und Freiheit aufeinander treffen. Es macht dich einfach glücklich und frei, ich finde es super.

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